Restarting the Pluralo-Blog

 

Als das neue Orga-Team sich eines schönen Dienstagabends traf, um bei Curry mit Reis den Masterplan fürs neue Semester zu schmieden, fiel uns etwas auf: Es gibt einen „Pluralo-Blog“! Der letzte Eintrag stammt zwar aus dem August 2017, aber in der Theorie existiert er. Also wurde in unsere ausgefeilte Strategie, mit welcher wir die Plurale Ökonomik in Mannheim zu neuem Glanz führen werden, auch der Punkt wöchentlicher Blog-Eintrag aufgenommen. Soweit so gut.

 

Nun, in der vierten Woche der Vorlesungszeit, nachdem ein erfolgreiches Kick-off und zwei Sitzungen mit Impulsvorträgen und regen Diskussionen schon hinter uns liegen, fiel uns wieder ein: Wir haben immernoch einen leeren Blog. Von jetzt an wird, um dieses Versäumnis zu beheben, zu jeder Sitzung, die mehr als langweiliges Orga-Zeug zu bieten hat, ein kleiner Eintrag geschrieben.

 

Da wir dieses Semester das Thema „Internationaler Handel – Wohlstand für alle?“ von verschiedenen Richtungen beleuchten und intensiv diskutieren wollen, haben wir beschlossen mit dem Modell anzufangen, dass auch in der Grundlagen VWL Vorlesung als erstes behandelt wird: Ricardos komparativer Kostenvorteil.

 

Dieses Basismodell für Internationalen Handel formulierte Ricardo (1772 – 1823) am Beispiel des Methuen-Handelsvertrag zwischen England und Portugal von 1704. In England war zu dieser Zeit die Herstellung der beiden hauptsächlich gehandelten Güter Textilien und Wein aufwendiger und benötigte mehr Arbeitskraft als in Portugal.

Würde der internationale Handel durch absolute Produktionsvorteile bestimmt werden, würde England sowohl Textilien als auch Wein aus Portugal importieren, da Portugal beide Produkte zu einem niedrigeren Preis anbieten könnte.

Tatsächlich argumentiert Ricardo aber dafür, dass beide Seiten durch günstigere Preise und größeres Angebot beim Freihandel profitieren können. Dieses Ergebnis kommt in seinem Modell dadurch zustande, dass die Länder unterschiedliche Verhältnisse zwischen den Kosten zur Produktion der beiden Güter haben. Außerdem haben beide Länder nur eine begrenzte Anzahl von Arbeitern zur Verfügung und wollen diese möglichst geschickt auf die beiden alternativen Produktionen verteilen. Da England weniger Wein aufgeben muss, wenn seine Arbeiter nur Kleidung produzieren, als es in Portugal der Fall ist, ist es für England günstig sich auf Kleidung zu spezialisieren. Im Gegenzug ist für Portugal die Spezialisierung auf Wein lohnend. Durch Ausnutzen dieser komparativer Vorteile kann freier Handel das Angebot für die Konsumenten beider Länder vergrößern.

 

Auf dieser Grundidee baut bis heute eine großer Teil der Argumentation für Freihandel auf. Doch steht dieses Modell auf soliden theoretischen Füßen, sind die Annahmen tragfähig?

Zunächst basiert die Unterscheidung zwischen internationalen und nationalem Handel in einer Immobilität von Arbeit und Kapital. Im Angesicht der Migrationswellen, die schon im 19. Jh Richtung Amerika rollten, und des hohen Anteil an Direktinvestitionen in südamerikanische Eisenbahnen in der gleichen Zeitspanne, wirkt die empirische Fundierung hierfür ein wenig bröselig und eine theoretische ist gar nicht vorhanden.

Des Weiteren funktioniert die Umwandlung des komparativen Vorteils in der Produktion in einen entsprechend niedrigeren Preis nur auf Basis einer ausgeglichenen Handelsbilanz. Sowohl die theoretische als auch die empirische Fundierung (Bsp. USA, DE) ist jedoch mit Problemen behaftet.

Die Annahmen der Vollbeschäftigung und des harmonischen Handels bestätigen sich, dem aufmerksamen Leser einer Zeitung im Warteraum der Arbeitsagentur leider auch nicht.

Zuletzt bleibt, wenn man alle Annahmen akzeptiert, die Frage, in wie weit dieses statische Modell die zahlreichen dynamischen Folgen von Freihandel wie Wachstum und pfad-abhängige Entwicklung erklären kann.

Was wir fanden waren also eher 5 Füßchen, die als Basis-Annahmen dieses berühmte Modell zu stemmen versuchen.

 

Apropos, 5 Füßchen… Das 5-köpfige Orga-Team, unterstützt durch andere schreib-begeisterte Mitglieder, werden diesen Blog beschwingt durch dieses Semester tragen. 

Vielleicht fällt dann noch mehr Menschen auf: Es gibt einen „Pluralo Blog“!